die Filmemacherin Narges Kalhor bei der Verleihung der Hoferichter-Preise im Münchner Literaturhaus.


Ernst-Hoferichter-Preis 2026 an Narges Kalhor


Jurybegründung

Narges Kalhor ist Filmregisseurin und Drehbuchschreiberin. Sie wurde in Teheran geboren und begann 2002 Film am Beh-andish College in Teheran zu studieren und Filme zu machen. In ihren Filmen kritisierte sie die iranische Regierung und war schließlich gezwungen, in Deutschland Asyl zu beantragen. Von 2010 bis 2019 studierte sie an der HFF München Regie. Narges Kalhor lebt seit vierzehn Jahren in München und setzt sich in ihren Filmen mit iranischen und bayerischen Traditionen auf originelle, weltoffene und äußerst humorvolle Weise auseinander.


Im Zentrum ihrer Filme steht die Filmemacherin Narges Kalhor oft selbst, und wir folgen ihr dabei, wie sie versucht, diesen Film, den wir gerade sehen, zu drehen. Der Witz ihrer Filme liegt darin, dass sie sich in dieser Meta-Narration selbst als Scheiternde entlarvt. Schon beim Drehen beschweren sich alle über ihre Filme. Die Schauspieler*innen sind genervt von ihren Anweisungen, und der Film-Professor der HFF lässt aus dem Off verlauten: „So erzählt man hierzulande keine Geschichte. Es gibt keinen roten Faden“ und rät ihr, ihre eigene Fluchtgeschichte aus dem Iran zu erzählen. Kalhor entzieht sich diesem (deutschen?) Anspruch, der immer wieder an sie herangetragen wird. Sie macht keine Filme, wie man sie von ihr erwarten würde. 

Ihre Filme brechen mit unseren Sehgewohnheiten. Das macht sie so originell. Sie liegen zwischen Spiel- und Dokumentarfilm und einer Theateraufführung. Fiktion und Realität werden übereinandergelegt, ko-existieren. In „Shahid“ (2024) wird die Protagonistin von ihrem tanzenden und singenden Urgroßvater und seinen Kumpeln begleitet, während sie durch die Straßen von München läuft. Es gibt Trick-Film-Sequenzen und found footage. Eine Montage unterschiedlicher filmischer Mittel und letzten Endes auch kulturell unterschiedlich geprägter Traditionen, wie Erzählen funktionieren kann. Das bedeutet Weltoffenheit in Kalhors Werk: Sie stößt uns auf unsere unhinterfragten Glaubenssätze. Was ist das eigentlich, bayerische Gemütlichkeit? Wie soll das gehen, bürokratisch zu beweisen, dass es einem schlecht geht? Was ist eigentlich Heimat? Und so verändern ihre Filme den Blick auf die eigene Kultur. Fotos von Volker Derlath



die Filmemacherin Narges Kalhor bei der Verleihung der Hoferichter-Preise im Münchner Literaturhaus
die Filmemacherin Narges Kalhor bei der Verleihung der Hoferichter-Preise im Münchner Literaturhaus.
shortfilm 2026 worldpremiere Berlinale 2026
new Project
"the inverted Well" Fiction script funded by FFF Bayern

Biografie

Narges Kalhor (born 1984 in Tehran, based in Germany) is an award-winning Iranian-German director, video artist, and editor. Her works move between documentary, experimental art, and fiction, often exploring themes such as exile, identity, feminist perspectives, and political resistance.

Her most notable works include:

  • Shoot Me (2013) – short film, nominated for several national short film awards

  • In the Name of Scheherazade (2019) – internationally screened and widely awarded

  • Sensitive Content (2023) – experimental short, winner of the Saxon Film Award 2024 and the Experimental Film Award at GIFF Mexico

  • Shahid (2024) – her feature film debut, awarded the Caligari Film Prize and CICAE Arthouse Cinema Award at the Berlinale 2024, as well as the Hessian Film Award for Best Feature Film; released in German cinemas in August 2024

She is currently developing her next fiction feature, The Inverted Well, selected for the Berlinale Co-Production Market 2025.

Ihr neuester Film, SHAHID, feierte auf der Berlinale 2024 Premiere und gewann sowohl den Caligari-Filmpreis als auch den CICAE Arthouse Cinema Award. Kalhor schafft weiterhin preisgekrönte, zum Nachdenken anregende Filme, die international gezeigt werden. Mit ihrem neuen Projekt, THE INVERTED WELL, ist sie Teil des International Co-Marketing-Programms der Berlinale 2025.

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Mehr Informationen

Filmografie

WITHOUT DISCOURSE
Iran, 2002
digital, 5 Min, Experimentalfilm

ROSHANGARI HAIE IEK MORGH
Iran, 2004
16 mm, 6 Min, Experimentalfilm

WE MUST HAVE DIED!
Iran, 2006
digital, 5 Min, Experimentalfilm

DIE EGGE
Iran, 2008
digital, 15 Min, Spielfilm

MÜNCHEN-TEHERAN
Deutschland, 2011
16 mm, 18 Min, Dokumentarfilm

SHOOT ME
Deutschland, 2013
digital, 30 Min, Dokumentarfilm

KAFAN
Deutschland, 2014
35 mm, 5 Min, Experimentalfilm

LAVASCHAK
Deutschland, 2015
digital, 30 Min, Dokumentarfilm

GIS
Deutschland, 2016
digital, 15 Min, Spielfilm

LOVOGARY
Deutschland, 2016
35 mm, 4 Min, Experimentalfilm

NEDA
Deutschland, 2017
35 mm, 5 Min, Experimentalfilm

IN THE NAME OF SCHEHERAZADE
Deutschland, 2019
digital, 76 Min, Dokumentarfilm

SuperEnki from Osterwald

deutschland, 2022

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